Gar nicht eintönig

Auch weiße Wände können alles andere als langweilig sein. Das beweisen helle Lehmputze, denen verschiedene Zuschläge beigemischt sind und die so die Wand dezent beleben.

Ursprünglich  dienten mineralische und pflanzliche Zuschläge in Lehmputzen der Verbesserung der Festigkeit. Doch schon bald stellte man fest, dass die Gräser, Fasern und Gesteinsgranulate auch positive Auswirkungen auf die Optik haben. Während verschiedenste Beimischungen zur Dekoration von Lehmputzen in Japan schon seit vielen hundert Jahren gang und gäbe sind, könnte sich diese Art der Wandgestaltung jetzt auch in unseren Breiten etablieren. Denn seit einiger Zeit werden Lehmputze mit beigemengten Gräsern, Fasern oder Gesteinsgranulaten als trockene Fertigprodukte angeboten. Dadurch wird eine professionelle Verarbeitung gewährleistet. 

Harmonische Ausstrahlung

Eingestreut sind die Zuschläge in reinweiße Lehmputze. Wo sonst würden sie so eindrucksvoll zur Geltung kommen? Es entstehen sachlich-schlichte Wandgestaltungen, die dabei aber keinesfalls langweilig wirken. Diese fügen sich in ein modernes Ambiente genauso gut ein wie in den nach wie vor beliebten Landhausstil. Insgesamt stehen sechs verschiedene Zuschläge zur Auswahl. Ein rötliches Gesteinsgranulat, kombiniert mit feinen Glittern, wirkt eher zurückhaltend, während gröbere Glitter eine lebhaft reflektierende Wirkung erzielen. Eine besonders edle Anmutung ergibt sich durch Perlmuttteilchen, Natürlichkeit vermitteln feine und gröbere Pflanzenfasern aus Kräutern und Gräsern. Beigemischte Sisalfasern erinnern an Reispapier.

Eigenschaften der Putze

Hinsichtlich der Eigenschaften unterscheiden sich die Lehmputze mit Zuschlägen nicht von herkömmlichen Lehmputzen – abgesehen davon, dass ihre Festigkeit eventuell etwas erhöht ist. Sämtliche ökologischen und baubiologischen Vorteile sind gleichermaßen vorhanden. Auch die mit Fasern und Gesteinsgranulaten versehenen Putze eignen sich ausschließlich für den Innenbereich und sollten direktem Spritzwasser in Küchen und Bädern nicht ausgesetzt sein.

Wie gewohnt zu verarbeiten

Generell erfolgt die Verarbeitung der Putze wie bei anderen Lehmputzen auch. Das Trockengemisch wird in die angegebene Menge Wasser eingerührt und verarbeitungsfertig eingestellt. Der Mörtel bleibt im abgedeckten Gebinde ca. 24 Stunden verarbeitungsfähig. Der Putzauftrag erfolgt entweder von Hand oder maschinell. Bei beiden Methoden sollte auf eine gleichmäßige Auftragsstärke geachtet werden. Beim Aufziehen von Hand sollte man immer wieder frisches Material aus dem Eimer auf die Traufel nehmen und das abgezogene wieder in den Eimer zurückgeben und untermischen. Ansonsten können sich die Zuschläge ansammeln und es bilden sich Nester. Unmittelbar nach dem Auftragen wird der Putz mit dem Rakel eingeebnet. Solange der Putz vom nass-glänzenden in den feucht-matten Zustand übergeht, beginnt man mit dem ersten Filzgang. Dadurch werden Sand und Zuschläge über die Fläche verteilt. Je nach gewünschter Ober- fläche kann der Putz anschließend noch einmal gefilzt oder aber geglättet werden. 

Für besondere Brillanz

Durch ein Freiwischen der Oberfläche nach der Austrocknung kann bei den reinweißen Putzen mit Zuschlägen eine besonders tiefe Brillanz erzielt werden. Dazu wischt man die vollständig durchgetrocknete Fläche mit einem sauberen, feuchten Schwamm oder einem groben Filzbrett frei. Dadurch treten die Zuschläge deutlicher aus dem Putz hervor. Wo ein ökologischer und baubiologisch vorteilhafter Putz gewünscht wird, zusätzlich aber auf eine außergewöhnliche Optik Wert gelegt wird, sind Lehmputze mit Zuschlägen hervorragend geeignet. Die Pflanzenfasern oder Gesteinsgranulate verleihen der Wand Natürlichkeit, ohne ihre schlichte Eleganz, die vom reinweißen Lehm herrührt, herabzusetzen.
(Susanne Sachsenmaier-Wahl)
 
(Textnachdruck mit freundlicher Genehmigung aus dem „Malerblatt“ Ausgabe / November 2006)


 

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