„Holz und Lehm sind mein Traumpaar“

Nachgefragt: Michael Thönnes, Druwid-Geschäftsführer

Der moderne „Druide“ ist 44, Möbelschreinermeister und Innenarchitekt, passionierter Holz-Lehmbauer und lebt in einer Poststation aus dem 8. Jahrhundert. 993 gründete Michael Thönnes sein Lehmbauunternehmen Druwid. Er hat sich einen hervorragenden Ruf als Pionier für ökologisches Bauen und Wohnen gemacht - weit über die Grenzen des Landes hinaus. Druwid ist einer der erfolgreichsten Claytec-Partner und Generalimporteur für Lehmbaustoffe in Belgien und Luxemburg. 

Wie wird man moderner Lehm-Bau- Druide?

Wissen Sie, ich war Leistungssportler im Turnen und interessierte mich mehr für verchromte Auspuffrohre als für ökologische Zusammenhänge. Erst durch die Mitarbeit in der Naturschutzvereinigung BNVS (Belgische Natur- und Vogelschutzgebiete) erkannte ich die Bedeutung des ökologischen Bauens. Nach einer Schulung zum Fachwerkbau im Freilichtmuseum Kommern war ich vollends überzeugt. Erste eigene Lehmbauerfahrungen habe ich beim Umbau meines Hauses gesammelt, einer alten Poststation. Nach meinem Meister als Bau- und Möbelschreiner, dem Studium der Innenarchitektur in Lüttich und Kursen für Bauphysik in Deutschland habe ich mich dann ganz auf den Lehm- und Holzbau konzentriert.

Wofür steht Druwid?

Der Begriff Druwid kommt aus dem Keltischen, bedeutet „groß, alt“ (Dru) und „Wissen“ (Wid) - wir entwickeln innovative Konzepte auf der Basis jahrtausende alter Erkenntnisse und bewährter Techniken. Wir kombinieren organische Formen aus Lehm mit speziellen Holzarten. Moderne Holzneubauten basieren auf der langen Erfahrung des Fachwerkbaus - so können sogar die von uns installierten Holzbadewannen in Kombination mit dem umgebenden Lehm dauerhaft bestehen. Die Absorptionskraft des Lehms schützt das Holz einerseits vor zu viel Feuchtigkeit, andererseits vor trockener Raumluft. Mit Lehm können Kuppeln, Regale und Decken gestaltet werden - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Hat das Lehm-Holz-Bauen Zukunft?

Immer mehr Menschen und vor allem Kinder sind umweltkrank, leiden unter Allergien. Viele Kunden haben auf Grund gesundheitlicher Probleme umgedacht, wollen gesund bauen. Die Energiethematik und die steigenden Rohstoffpreise sind weitere Punkte, die die Menschen zum ökologischen Bauen anregen. Zudem kann man die dekorative Ästhetik der Formen und Flächen so ansprechend gestalten, dass sogar relativ unökologische Menschen sich für diese Bauart entscheiden. Durch das Anfassen und Fühlen des Lehms bei uns haben schon viele Kunden ihre Liebe zu dem Baustoff entdeckt.

Ist diese Bauweise nur etwas für Wohlhabende?

Eine sehr erfreuliche Erfahrung ist: Bei einem gut geplanten ökologischen Gesamtkonzept kann man mit demselben Budget bauen wie für ein konventionelles Haus. Auch wenn das Bauen mit Holz und Lehmbaustoffen rund 20 bis 30 Prozent teurer ist, da Material und Verarbeitung hochwertiger sind, können diese Mehrkosten in anderen Bereichen aufgefangen werden. Weil ein atmungsaktives, gesundes und wartungsarmes Haus eine höhere Wertschätzung genießt, können Bauherren im Gegenzug viel leichter auf anderen vielleicht überflüssigen Luxus verzichten. Um diese Wertschätzung beim Kunden neu zu definieren, haben wir uns zu einem Planungsbüro für Ökologische Architektur entwickelt. Dort behandeln wir auch Themen wie Strahlungswärme oder Baukunst z.B. in Form von Stampflehm. Wir setzen alles daran, dass alternatives Bauen nicht nur etwas für Wohlhabende ist, sondern für alle, die sich wohlfühlen wollen. (Bearbeitung: Petra Wosnitzka)  


 

Michael Thoennes