Edler Putz - zementgrauer Lehm

Das war der Ritterschlag für eine der schönsten Oberflächenbeschichtungen im Innenraum, als am 13. September 2007 das vom Schweizer Stararchitekten Zumthor realisierte Diözesanmuseum Kolumba in Köln eröffnet wurde. Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass Lehm ein hochwertiger, moderner Baustoff ist, dann ist er hier auf einer Fläche von 6.500 m² erbracht worden.

Ein markanter Beleg dafür, dass Natur und Moderne vernünftigerweise ein und dieselbe Sache sind, zeigt die dezente und elegante Wandbeschichtung, eine Mischung aus porzellanweißen und schieferschwarzen Lehmfeinputzen, die ohne jede Zugabe von Pigmenten aus naturreinen Bestandteilen unserer Erde bestehen. Zufall ist es wohl kaum, dass Architekt Zumthor das Material gewählt hat. Dem globalen Freihandel mit beliebigen Formen widersetzt er sich, so schreibt Wolfgang Pehnt (in BAUMEISTER B11/2007): „In Zumthors Essenzialismus zählen nicht allein die Bilder, sondern alle sinnlich erfahrbaren Qualitäten, das Gewicht und die Struktur der Materialien, die Masse und Dichte des Gebauten, die Reflexe und Tastbarkeit seiner Oberflächen zwischen glänzend, glatt und rauh oder stumpf, der Klang der Bewegungen in den Räumen“.

Zumthor plante die Wandbeläge des Museums (mit bis zu 14 m Wandhöhe sind das beeindruckende Flächen) in zurückhaltender Zementoptik, um der Kunst den Vordergrund zu lassen. Umsichtig und wohl überlegt wurde in der neun Jahre währenden Planungs- und Bauphase jede Entscheidung getroffen. Es war ein schöner Zug der Geschichte, dass an diesen Wänden Fakten und Menschen zusammen kamen, um die feinen Lehmputze ins rechte Licht zu rücken. Geothermische Wandheizungen (mit denen das Museum sommers wie winters temperiert wird), in Massivbauweise erstellte, 60 cm dicke Ziegelwände und die großen, nahezu fugenlos zu verputzenden Flächen machten den Einsatz des zunächst geplanten Zementputzes u.a. wegen seiner Härte und Rissgefahr unmöglich. Nach jahrelangen und nicht zufriedenstellenden Versuchen mit Kalkschlämmen und feinen Kalkzementputzen entfernten sich der Architekt und die Kölner Firma Stuck & Akustik Weck, die mit den Verputzarbeiten beauftragt war, immer weiter vom Zement. Durch ein glückliches Zusammentreffen mit dem virtuosen Lehmexperten und Claytec-Partner Achim Melchert (ERDRAUM Köln) kamen erste Bemusterungen der schließlich realisierten schlichten und sinnlichen Oberflächen zu Stande:
„Das Museum selbst aber besticht durch großartige Raumfolgen mit stets wechselnden Proportionen und Lichtsituationen, inszenierte Ausblicke durch raumhohe Glasflächen und nicht zuletzt durch sorgfältig ausgearbeitete Details und edle Oberflächen. Dominierend darunter der warmtonige Lehmputz der Wände, der zusammen mit dem massiven Mauerwerk dahinter auch klimaregulierende Funktionen übernimmt. Vor allem strahlt er eine schlichte, durchaus sinnliche Materialität aus“ schreibt Christian Schittich (DETAIL 11-2007).

Zu erleben ist eine Oberfläche, die nicht nur allen Anforderungen der Bauphysik gerecht wird, sondern die allem voran der stets wechselnden Hängung der Kunstschätze einen würdigen Hintergrund verleiht. Der Herausforderung, mit einem für sie neuen Baustoff zu arbeiten, ist die Firma Weck, die mit bis zu sieben Mitarbeitern gleichzeitig an einer Wand gearbeitet hat, mit Bravour begegnet. Der Unterputz, von Weber Broutin, diffusionsoffen auf den späteren Lehmputz abgestimmt, wurde komplett auf Pariser Leisten aufgebracht. Als Veredelung und Finish konnte dann der spezielle kolumbagraue Clayfix-Lehmfeinputz 2 mm stark von Hand aufgetragen werden. Die Flächen wurden mit Wasser und Quarkmilch solange gefilzt und geglättet, bis die geforderte Oberflächenqualität mit ihrem dezenten Glanz erreicht war. Als Handwerkszeug haben sich dabei Japankellen hervorragend bewährt, die keine (durch Materialabrieb verursachte) Oxidationsspuren hinterlassen und die durch ihre besonders austarierte Bauweise ein perfektes und ermüdungsfreies Arbeiten möglich machen. Die Verarbeitungsrichtlinien des Herstellers von Lehmbaustoffen Claytec (siehe Kasten) und die gemeinsame Feinabstimmung mit den Experten in der Produktion und vor Ort machen das Ergebnis rissfrei, fugen- und makellos.

Die Tatsache, dass es sich hier um ein relativ konventionelles Bauvorhaben handelt, holt den Lehmputz noch weiter aus seiner (ökologischen) Nische ins Zentrum der hochwertigen Wandbeschichtungen. Das scheinbare Paradoxon „Lehmputz in zementgrau“ beweist dabei die Modernität in der Welt der heutigen Baustoffe.


Grundregeln für eine hohe Oberflächenqualität
  • Die Untergründe müssen sorgfältig planeben vorbereitet werden.
  • Das Saugverhalten muss egalisiert und ggf. gebremst werden.
  • Flächen mit durchschlagenden Stoffe müssen abgesperrt sein.
  • Dunkle Flächen vor dem Auftrag heller Putze weiß grundieren.
  • Der Putz darf nicht mit zuviel Wasser angerührt werden.
  • Der Putz muss 30 Minuten quellen, danach gut durcharbeiten.
  • Bei Wasser, Gefäßen und Werkzeug besonders bei hellen Putzen auf Sauberkeit achten.
  • Für zusammenhängende Flächen Material aus mehreren Gebinden anmischen.
  • Die gleichmäßige Auftragsstärke von ca. 2 mm muss eingehalten werden.
  • Arbeitsansätze sollten vermieden werden.
  • Keine Heizungs- und Zugluftturbulenzen während der Verarbeitung.
  • Oberflächenbearbeitung und Freiwischen mit wenig Wasser.


Japankellen
Japankellen (Foto: Claytec)

Diözesanmuseum Kolumba Köln
Diözesanmuseum Kolumba Köln (Foto: Gabriel)

Diözesanmuseum Kolumba Köln
Diözesanmuseum Kolumba Köln (Foto: Gabriel)

Diözesanmuseum Kolumba Köln
Diözesanmuseum Kolumba Köln (Foto: Gabriel)

Diözesanmuseum Kolumba Köln
Diözesanmuseum Kolumba Köln (Foto: Gabriel)

Diözesanmuseum Kolumba Köln
Diözesanmuseum Kolumba Köln (Foto: Gabriel)