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Die Liebe zum Lehm -  Eine Erfolgsgeschichte

Grenzen des Wachstums

Spätestens zu Beginn der 1980er Jahre hatte die Euphorie des unbegrenzten Wachstums unter anderem durch den Club of Rome ihre Unschuld verloren, die „Grünen" hatten sich gegründet und allmählich regte sich ein ökologisches Gewissen.Neben dem traditionellen Anwendungsbereich im Fachwerkbau hatte sich noch keine eigenständige, zeitgenössische Lehmbauweise entwickelt, abgesehen von den ersten experimentellen Ansätzen beispielsweise an der Universität Kassel. Dabei handelte es sich jedoch vorrangig um Entwicklungshilfeprojekte für Länder der Dritten Welt.
Die konsequent ökologisch gebaute Siedlung in Köln Chorweiler in den 1980er Jahren darf hier mit Fug und Recht als Meilenstein für modernes Bauen mit Lehm und für die Entwicklung des noch jungen Unternehmens Breidenbach gelten. Das Projekt ist ein bis heute herausragendes Beispiel für modernen Lehmbau, das deutlich macht, dass es sich dabei keinesfalls nur um eine kleine, braune Hütte in der afrikanischen Steppe handeln muss. In der modernen Architektur entfaltet der Lehmbaustoff seine hervorragenden Eigenschaften besonders in Kombination mit der Holzständerbauweise, einer zeitgenössischen Variante des Fachwerkbaus.

Friteuse und Bauschuttcontainer

Die führenden Köpfe des Unternehmens Lehmbau Breidenbach hatten schon lange mit unterschiedlichen Werkzeugen zur Herstellung von Leichtlehm experimentiert. Die im Firmenjargon sogenannte „Friteuse" ist eines der bemerkenswertesten Vorrichtungen aus dieser Phase, die jedoch wie viele andere Ansätze keine langfristig zufrieden stellenden Ergebnisse brachte. Auch die Studenten wurden allmählich knapp, die als preisgünstige und engagierte Mitarbeiter Stroh und Lehm mit den Füßen stampften und andere beschwerliche Arbeiten auf sich nahmen.
Nach zahlreichen Experimenten mit mehr oder weniger tauglichen Behältnissen zur Herstellung, Aufbewahrung und nicht zuletzt zum Transport des Baumaterials Leichtlehm stand Ulrich Röhlen der Zufall Pate: Aus logistischen Gründen musste man sich einen Container leihen. Ulrich Röhlen entschied sich für einen Bausschuttcontainer mit Türen im hinteren Bereich. Das erwies sich bald als Glücksgriff. Die flachen und in der Grundfläche relativ großen Container eigneten sich hervorragend, um Baulehm anzusetzen. Sobald die Masse fertig gestellt war, wurde sie fest, so dass die Türen geöffnet werden konnten, um den Baustoff direkt zu entnehmen. Aber noch ein weiterer Effekt erwies sich als vorteilhaft: Nicht benötigter Leichtlehm konnte problemlos, ohne ihn nochmals „anfassen" zu müssen, auf die nächste Baustelle transportiert werden. Ein logistisch unschätzbarer Fortschritt, da häufig nur relativ kleine Mengen gebraucht wurden, der Aufwand des Ansetzens jedoch auch für eine geringe Menge vergleichsweise groß war. Das war der erste entscheidende Schritt zum „Lehm auf Rädern".

Moderner Lehmbau

Die Siedlung in Köln Chorweiler mit 18 modernen als ganzes Ensemble moderner Strohleichtlehm-Bauten kann als Schlussakkord des traditionellen Lehmbauverfahrens gelten. Die für das Unternehmen damals gewaltige Größe der Baumaßnahme zeigte auch die wirtschaftlichen Grenzen auf.
„In den ersten Jahren bereiteten wir den Baustoff noch vor Ort auf. Dafür brauchten wir neben ausreichend Platz vor allem Lehm, Sand und Stroh in erheblichen Mengen, Wasser und einen entsprechend starken Stromanschluss für die immer größeren und schnelleren Maschinen", erinnert sich Ulrich Röhlen. Die Großbaustelle in Köln sollte die letzte sein, die im traditionellen Verfahren realisiert worden ist. Im Gegensatz zur Denkmalsanierung, wo für das Mischen oft nur handtuchgroße Baugrundstücke zur Verfügung stehen, war auf dieser Neubaustelle viel Platz vorhanden. Dennoch erlebten die Unternehmer hier die Grenze des Machbaren: Enorme Mengen der Rohstoffe Lehm, Sand und Stroh mussten herbeigeschafft werden, dazu der gesamte Maschinenpark des Unternehmens. Eine Herausforderung, die nur Dank des unermüdlichen Optimismus der Protagonisten zu einem erfolgreichen Ende führte.
Mit dem Projekt in Köln Chorweiler wuchs gleichzeitig die Anforderung, immer größere Mengen an Leichtlehm in gleich bleibender Qualität herzustellen. Zwar machten die jungen Unternehmer Breidenbach und Röhlen noch keine Anstalten, Aufwand und Ertrag nachzukalkulieren. Aber spätestens zu diesem Zeitpunkt beschlich sie das Gefühl, dass sie zwar mit dem Einbau des Lehms Geld verdienten, das sie allerdings zuvor bei der aufwendigen Herstellung in den Sand gesetzt hatten.



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Leichtlehm

Leichtlehm wird ausschließlich für Außen- und Innenwände, Vorsatzschalen und Deckenausfachungen und (im Gegensatz zu Stampflehm) nicht für statisch belastbare Bauteile verwendet. Er besteht aus mindestens 30% Lehm, gemischt entweder mit organischen (Beispiel: Stroh) oder seltener mit mineralischen (Beispiel Blähton) Zuschlagstoffen.
Das Gemisch ist extrem haltbar - mehr als 500 Jahre sind keine Seltenheit.
Leichtlehm
 

 

 

 
Friteuse:

Friteuse

Bauschuttcontainer

Chorweiler

 

Chorweiler:
Chorweiler

Chorweiler

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